Es war ebenfalls ein Januar, der Januar 2004. Zu dieser Zeit durfte ich Bärbel Schmidt kennenlernen. Und die Umstände unter denen wir uns kennen lernten waren nicht die besten.
Unser erstes gemeinsames Treffen hatte folgende Vorboten:
Ihr Vorgänger im Amt bei der Actebis, Hr. Urban, hatte uns verklagt und zwar in nicht unerheblichem Maße. Wir hatten erstinstanzlich bereits gewonnen, alleine die bis dahin aufgelaufenen Gerichtskosten hätten für einen schönen Mittelklasse Wagen ausgereicht. Bärbel Schmidt bat um ein Gespräch und kam dafür nach Bielefeld. Bereits das war neu im Hause Actebis.
Ich muss gestehen, ich ging mit ziemlich geringen Erwartungen in diesen Verhandlungstermin. Wir waren sehr fest in unserer Meinung, der Fall lag so klar zu unseren Gunsten, dass wir auf keinen Fall nach gegeben hätten, vergleichen kam also nicht in Betracht.
Es dauerte ungelogen keine 60 Sekunden nach den üblichen Kennenlern-Floskeln, da kam Bärbel Schmidt mit der klaren Aussage um die Ecke, ob man sich denn bei den Gerichtskosten einigen könnte, die Hauptforderung würde sie nicht weiter aufrecht erhalten und daher die Klage fallen lassen, ihrer Auffassung nach sei die Forderung substanzlos und sie würde viel lieber mit uns weiter Geschäfte machen.
Ich, wir waren mehr als überrascht und auch froh. Eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung ist allemal besser als ein gewonnener Prozeß.
Daraufhin setzte eine Zeit des "Anstoßes" und "Vorlebens" auf beiden Seiten ein. Sowohl Bärbel Schmidt als auch ich, setzten alles daran unseren Kollegen und Mitarbeitern klar zu machen, dass wir kein Mißtrauen gegeneinander hegen und es ernst meinen mit der optimierten Zusammenarbeit.
Es folgten tolle Jahre der vertrauensvollen Zusammenarbeit. So hat Actebis bis heute stets eine Vorreiter Rolle wenn es darum geht mit uns gemeinsam neue Ideen und Projekte in die Umsetzung zu bringen.
Als wir 2005 die Akcent-Gruppe vollständig übernahmen gelang es in wenigen Wochen einen Vertrag für die Akcent-Gruppe mit Actebis zu verhandeln, was vorher jahrzehntelang nicht gelungen war. Die Grundlage hierfür war ein über Jahre gewachsenes Vertrauen in der Zusammenarbeit.
Bärbel Schmidt hat tolle, fähige Menschen und Manager um sich geschaart, die ihre Art Geschäfte zu betreiben fortsetzen. Mit Hartnäckigkeit, aufrichtig, ehrlich, offen, fleißig, offen für Neues, mit Gespür für Nischen im Markt, immer auf Tempo bedacht. Ihr Geist wird sicherlich weiter in den Wänden von Actebis wehen.
Eine komische Sache, einen beruflich verbundenen Menschen zu "verlieren", war man doch eigentlich gar nicht befreundet, dennoch ist es tatsächlich ein Verlust.
Es erstaunte mich überhaupt nicht, so viele Menschen heute bei Ihrer Beerdigung zu sehen und es war ein schöner Abschied, zu dem neben Famile und Freunde auch ein kleines Stell-dich-ein der IT-Branche zu Gast war um ihr die letzte und verdiente Ehre zu erweisen. Ich bin mir sicher, alle die da waren, haben auf die ein oder andere Weise Bärbel Schmidt etwas zu verdanken.
Ich zähle mich dazu.
Tschüss Bärbel !! Machs gut
Eines der letzten Interviews mit Bärbel Schmidt auf der CeBit2009, da sah ich sie zuletzt